Sozialpädagogischer Trainingskurs (STK) als richterliche Weisung
gem. § 10 JGG


Das Angebot  der sozialen Trainingskurse richtet sich im Wesentlichen an Jugendliche beiderlei Geschlechts im Alter von 14 - 17 Jahren, ist aber auch für Heranwachsende (18 - 21 Jahre) offen, die sich wegen strafbarer Handlungen vor dem Jugendgericht verantworten müssen.

Von diesen jungen Menschen kommen vorrangig solche in Frage, bei denen als Gründe für ihre Straftaten überwiegend Sozialisationsdefizite festzustellen sind. Diese Defizite müssen einerseits so erheblich sein, dass erneute Straftaten zu erwarten sind, dürfen  andererseits aber nicht so schwerwiegend sein, dass das Instrumentarium der STK von vornherein nicht ausreichend erscheint, um die vorhandenen Defizite aufzuarbeiten.

Nicht Art und Anzahl der verübten Straftaten sind ausschlaggebendes Kriterium für die Teilnahme am STK, sondern vielmehr die Bereitschaft der Jugendlichen und Heranwachsenden zur Teilnahme.

Der STK wird über einen Zeitraum von 12 Wochen einmal wöchentlich für jeweils ca. 2 Stunden durchgeführt und behandelt Themen, die in aller Regel mit den verübten Straftaten im Zusammenhang stehen: Schule/Beruf, Drogen/Alkohol, Gewalt, Liebe/Sexualität, persönliche Zukunft/-ängste, Ehre-Beleidigungen-"Anmache", u.a.m.



Täter - Opfer - Ausgleich (TOA)

Der Täter - Opfer - Ausgleich ist ein Verfahren, in welchem dem Täter und dem Geschädigten einer Straftat die Gelegenheit gegeben wird, in direkter Konfrontation, außerhalb eines justizförmigen Verfahrens, die Straftat und die sich daraus ergebenen Folgen eigenverantwortlich zu regeln.
Für die Durchführung eines Täter-Opfer-Ausgleichs müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

  • der / die Täter müssen die Tat zugeben
  • sowohl Täter als auch Geschädigter müssen freiwillig ihre Bereitschaft zur Teilnahme an einem TOA bekunden
  • es muss ein personifizierbares Opfer vorhanden sein.

Geschädigte können durch eine außergerichtliche Konfliktschlichtung Wiedergutmachung und Schmerzensgeld erhalten, reden, fragen, Ärger loswerden, Energie und Kosten für langwierige Gerichtsverfahren sparen und vor allem: Nicht in der passiven Zeugenrolle verharren, sondern den Verlauf und die Inhalte des Verfahrens aktiv mitbestimmen.

Beschuldigte können im Täter-Opfer-Ausgleich reinen Tisch machen, die Verantwortung für die Straftat übernehmen, Wiedergutmachung leisten und gegebenenfalls Strafmilderung erhalten.

Wir verstehen uns dabei in erster Linie als Vermittler zwischen Täter und Geschädigtem. Aus Gründen der Neutralität wird ein T'OA von zwei Vermittlern durchgeführt, deren Aufgaben u.a. sind

  • die Führung von Einzelgesprächen
  • die Führung der Ausgleichsgespräche
  • die Überwachung der Ausgleichsvereinbarung
  • Beratung und Begleitung aller Beteiligten während des gesamten Verfahrens.


Betreuungsweisungen (gem. § 10 JGG i. V. m.  § 30 SGB VIII)


Betreuungsweisungen können im Rahmen einer Gerichtsverhandlung als Konsequenz von Straftaten Jugendlicher und junger Volljähriger angeordnet werden.

Die Betreuungsweisung ist eine ambulante sozialpädagogische Hilfe, die im Regelfall 6 - 12 Monate dauert. In dieser Zeit steht der Betreuungshelfer dem Jugendlichen oder jungen Erwachsenen beratend zur Seite. Es sollen Entwicklungsschwierigkeiten und problembehaftete Lebenssituationen bewältigt werden. Auch sollen die jungen Menschen angeleitet werden, einen realistischen und zielgerichteten Lebensentwurf für sich zu erstellen.

Im Mittelpunkt der Betreuungsweisung stehen deshalb folgende Inhalte:

  • Konfliktberatung
  • Erhöhung der sozialen Kompetenz
  • Hilfen bei der Strukturierung des Alltags und bei der Lebensplanung
  • Unterstützung bei der Erlangung angemessener Schulabschlüsse
  • Integration in Ausbildung oder Beschäftigung
  • Hilfestellung bei der Klärung von Problemen im Elternhaus oder mit anderen Bezugspersonen
  • Unterstützung bei Behördenkontakten (mit dem Ziel der Existenzsicherung, Wohnraumbeschaffung, Schuldenregulierung...)
  • Auseinandersetzung mit der Straftat, Aufarbeitung der Ursachen für die Begehung von Straftaten
  • Begleitung zu Gerichtsverhandlungen und polizeilichen Vorladungen
  • Steigerung des Selbstwertgefühls und der persönlichen Zufriedenheit.

Die Betreuungshelfer sind pädagogisch ausgebildete Fachkräfte und mit den Lebenslagen von Jugendlichen und Heranwachsenden vertraut.

Kontakt: Iwan Miene 05772 / 564-303